Autismus: Julia aus der Sesamstraße

Julia ist ein kleines Mädchen. Sie hat orange Haare, grüne Augen und einen Stoffhasen. Die Vierjährige wird künftig in der Sesamstraße zu sehen sein. Das Besondere daran: Sie ist Autistin. Im vorigen Jahr wurde das Mädchen erstmals in digitaler Form in Büchern vorgestellt. Jetzt geht die Sesame Street einen Schritt weiter und macht aus ihr einen physischen Muppet. Damit setzt der Sesame Workshop – eine Non-Profit-Bildungs-Organisation – sein Engagement rund um das Thema Autismus konsequent fort.

Sieh das Erstaunliche in allen Kindern

In einer Pressemitteilung erklärt der Sesame Workshop, dass eine neue Phase der Initiative „Sesamstraße und Autismus: Sieh´ das Erstaunliche in allen Kinder“ eingeläutet wird. Ganz gewiss keine leichte Aufgabe. Seit über fünf Jahren befasst man sich mit bei der Sesamstraße mit Autismus und steht im Kontakt zu 250 Organisationen und Experten. Die Puppenspielerin, die der kleinen Julia Leben einhaucht, ist selbst Mutter eines autistischen Sohns.

Autorin Christine Ferraro weiß um die Verantwortung. „Es ist schwierig, weil Autismus nicht vereinheitlicht werden kann. Es ist für jede einzelne Person, die Autismus hat, anders“, sagte sie in einem Interview. Um die kleine Julia dennoch so authentisch wie möglich auftreten zu lassen, hat man mit mehreren betroffenen Familien gesprochen. Danach entschied man sich, dass Juli sich durch Zurückhaltung, Sensibilität für laute Geräusche und die Erregbarkeit beim Spiel auszeichnen soll.

Julias Freunde Elmo und Abby

Das wird schon in der ersten Episode mit der Vierjährigen deutlich. Als Big Bird ihr vorgestellt wird, ignoriert Julia ihn. Das verwirrt Big Bird. Er denkt, er gefällt dem kleinen Mädchen nicht. Die anderen Kinder erklären ihm daraufhin, dass Julia die Dinge ein wenig anders macht. Oder: Als die übrigen Muppets spielen, springt Julia vor Aufregung auf und ab. Statt sie deshalb außen vor zu lassen, ersinnen Big Bird, Elmo und Abby ein neues Spiel, bei dem alle Kinder springen.

Puppenspielerin Stacey Gordon hätte sich eine Figur wie Julia schon vor Jahren in der Sesamstraße gewünscht. Hätten die Freunde ihres Sohnes auf kindgerechte Weise gelernt, was Autismus ist und dass Autisten auf andere Weise spielen oder reagieren, hätten sie keine Angst gehabt. Ihr Wunsch ist es, dass Julia nicht das Kind aus der Sesamstraße mit Autismus sein wird, sondern einfach nur Julia. Schön wäre es.

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